Mit der Geburt des Kindes sind sie auf einmal da - die Erziehungsexperten. Aus allen nur erdenklichen Löchern kommen sie hervor. Jeder um dich herum hat selbst ein Kind, ist Oma, Opa, Mama, Papa, Tante oder Onkel. Falls nicht, hat man aber zumindest eine Bekannte, deren Arbeitskollegin eine Großcousine hat, die bereits 3 Kinder zur Welt gebracht hat. Plötzlich ist jeder um dich herum ein Erziehungsexperte und natürlich halten sie sich mit ihren Erziehungstipps auch nicht zurück.

Gerade als frisch gebackene Mama, deren Hormone noch verrĂĽckt spielen, braucht man da ein dickes Fell.
„Wie du stillst nicht mehr? Das ist doch aber das Beste fĂĽr ein Baby!“
„Der Kleine ist doch viel zu dĂĽnn angezogen. Er friert bestimmt. Ja, seine Händchen sind auch ganz kalt.“
„Der Arme hat bestimmt Bauchschmerzen. Du musst ihn im Fliegergriff halten, dann hört er auf zu weinen!“
„Ein Baby sollte in seinem eigenen Bett in seinem eigenen Zimmer schlafen, aber doch nicht bei euch im Bett.“
„Wenn du dein Baby einmal an den Schnuller gewöhnst, gibt es ihn nie wieder ab.“


Die ersten paar Tage und Wochen habe ich etliche Tränen vergossen und an mir selbst gezweifelt. Was mache ich falsch? Bin ich eine schlechte Mama?
Doch irgendwann war bei mir der Punkt erreicht, an dem ich mir das alles nicht mehr anhören konnte und wollte. Jedes Baby ist anders,
MEIN Baby ist anders.
Warum hat jeder für Mamas und Papas ständig einem Erziehungstipp parat, anstatt Dinge erst einmal zu hinterfragen? Manche Mamas würden vielleicht gerne stillen, können es aber nicht. Manche Babies schwitzen vielleicht schneller als andere und tragen deshalb nicht 3 oder 4 Schichten aus Bodys und Jäckchen. Manche Babies mögen sich durch den Fliegergriff vielleicht beruhigen lassen. Was ist aber, wenn es meins nicht tut? Manche Babies mögen es vielleicht von Anfang an, alleine in ihrem Bettchen im eigenen Zimmer zu schlafen. Manch andere suchen nachts dafür viel lieber die Nähe von Mama und Papa, um deren Herzschlag zu hören und deren Wärme zu spüren. Und zum Thema Schnuller muss ich ehrlich sagen, dass ich noch keine Frau und keinen Mann mit Schnuller im Mund vorm Traualtar gesehen habe. Das heißt, irgendwann geben wir sie alle ab oder nicht?

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht auch über die Erziehungsmethoden anderer Eltern urteile, Dinge anders machen würde oder manche Reaktionen nicht nachvollziehen kann. Aber ich mache es im Stillen oder zu Hause unter 4 Augen mit meinem Mann. Niemals würde ich eine Mama oder einen Papa damit persönlich konfrontieren. Warum auch? Sie selbst kennen ihr Baby oder ihr Kind doch am Besten. Sie verbringen 24 Stunden am Tag mit ihm. Nur sie wissen, was es liebt und was es hasst. Vielleicht ist deren Erziehungsmethode für ihr Kind genau die Richtige. Welches Recht habe ich dann als Außenstehende, mir ein Urteil zu bilden oder sogar noch gut gemeinte Ratschläge oder Erziehungstipps zu geben? Wer bin ich, dass ich eine Mama oder einen Papa mit meinen Worten vielleicht kränke oder verunsichere?

Man sollte allen Eltern - und gerade frischgebackenen Mamas und Papas - viel öfter Mut zusprechen, sie unterstützen und aufbauen. Ihnen sagen, wie toll sie ihren Job machen und wie gut sie ihr Kind erziehen. Erziehungstipps kann man ja gerne geben, wenn man danach gefragt wird. Ansonsten darf man sie meiner Meinung nach gerne für sich behalten!


Wie sind eure Erfahrungen mit Erziehungsexperten? Habt ihr auch ein paar solcher Exemplare in eurem Umfeld? Oder gibt es bei euch eher UnterstĂĽtzer?

Bis zum nächsten Mama-Montag,