„Die Zeit heilt alle Wunden!“ sagt man. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit fragte mich eine Freundin, ob das wahr ist. Aber ich für meinen Teil kann das nur verneinen. Es gibt Tage an denen ich dich weniger vermisse oder weniger an dich denke als an Anderen, aber NEIN... die Zeit heilt definitiv keine Wunden.
Natürlich fühlt es sich nicht so an wie vor drei Jahren, als ich in den frühen Morgenstunden einen Anruf auf der Arbeit erhielt und sofort wusste, was es für mich, für uns bedeuten würde... du bist von uns gegangen, bist eingeschlafen und wurdest von allen deinen Schmerzen erlöst. Sofort waren sie all gegenwärtig, der Schmerz und die Trauer. Für Tage, für Wochen, für Monate. So viele Tränen, die vergossen wurden. So viele Erinnerungen an dich, die überall waren. Wenn mir damals jemand sagte: „Die Zeit heilt alle Wunden!“, dann glaubte ich ihm und klammerte mich daran. War es doch eine Weisheit, die so auch von dir hätte kommen können.
Heute, drei Jahre später, bin ich schlauer. Die Zeit heilt keine Wunden. Die Zeit macht Trauer und Schmerz vielleicht erträglicher. Aber nicht für immer und nicht ständig. Manchmal da trifft es mich wie ein Schlag und dann sind sie wieder da. Dann fühl ich mich wie damals vor 3 Jahren als ein Teil meiner kleinen Welt zerbrach.
Gerade in den letzten 1 1/2 Jahren musste ich lernen, damit umzugehen, dich mehr als je zuvor zu vermissen. Du fehlst, du fehlst an allen Ecken und Enden, du fehlst ganz besonders an Tagen, die ich nur allzu gerne mit dir geteilt hätte.
Als wir im Oktober 2016 geheiratet haben, hätte ich dich gerne an meiner, an unserer Seite gehabt. Ich weiß, dass du den Tag genauso sehr genossen hättest wie wir. Du hättest mit uns gelacht, mit uns getrunken und mit uns gefeiert. Ich weiß, dass du dich so wohl gefühlt hättest und ich weiß, es wäre nicht nur für uns einer der schönsten Tage im Leben gewesen, sondern auch für dich. Ich weiß, du hast von oben zu gesehen und uns zum richtigen Zeitpunkt etwas Sonne geschickt. Aber ich hätte alles dafür gegeben, dich an diesem Tag nicht nur in meinem Herzen zu tragen.
Noch viel mehr als unsere Hochzeit, hätte ich aber gerne meine Schwangerschaft mit dir erlebt. Ich hätte so gerne dein Gesicht gesehen, wenn ich dir erzählt hätte, dass du Uroma wirst und ich weiß, du hättest geweint vor Glück. Es hätte mich so glücklich gemacht, wenn du Lian noch hättest kennenlernen können und ich weiß, du hättest ihn abgöttisch geliebt. Ich hätte dich so gerne zusammen mit Lian erlebt und ich weiß, Ihr hättet Stunden miteinander gelacht und gebrabbelt oder auf deinem Sofa gekuschelt, so wie ich es schon als Kind bei dir gemacht habe. Es hätte mich so glücklich gemacht, wenn du Lian nur ein einziges Mal hättest im Arm halten können und ich weiß, du hättest ihn nie wieder hergeben wollen.
Manchmal wenn ich Lian dabei beobachte wie er schläft und sich ein breites, zufriedenes Lächeln auf seinem kleinen Gesichtchen breit macht, glaube ich, dich in ihm zu sehen. Es mag verrückt klingen, aber ich weiß, ein Teil von dir steckt definitiv in ihm.
Du warst und bist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Und heute weiß ich, dass du mich in so vielerlei Hinsicht geprägt hast. „Ihr müsst raus, ihr müsst reisen, ihr müsst was erleben... sonst habt ihr später nichts zu erzählen, wenn ihr mal alt seid.“ Du hast immer so gerne erzählt von deinen Reisen nach Italien oder Madeira, von Dingen, die du erlebt hast. Es war eine Freude dir zuzuhören. Und jedes Mal wenn ich eine Reise plane, einen neuen Ort besuche oder irgendetwas Spannendes erlebe, denke ich dabei an deine Worte. Ich will meinen Enkelkindern irgendwann einmal genauso viel erzählen können wie du und deshalb will und werde ich nie aufhören zu reisen, zu entdecken, zu erleben. Deine Worte stets in meinem Ohr.
Auch wenn du es vielleicht nicht immer einfach hattest im Leben, hast du immer weitergemacht, nie aufgegeben und uns trotzdem immer wieder dein Lächeln geschenkt. Auch das glaube ich zu behaupten, von dir zu haben. Auch in schlechten Dingen, das Positive zu sehen, niemals aufzugeben und mich nie unterkriegen zu lassen.
Die Zeit heilt keine Wunden! Sie schenkt dir Tage, die weniger schmerzhaft und traurig sind. Sie schenkt dir Tage, an denen die Erinnerungen an die geliebte Person nicht allgegenwärtig sind. Sie schenkt dir tränenlose Nächte, in denen du wieder schlafen kannst. Nein, die Zeit heilt keine Wunden und ganz bestimmt nicht an einem Tag wie heute!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen